Bauheizung richtig dimensionieren —
kW-Auslegung für Schweizer Baustellen.
Zu wenig kW: Estrich trocknet nicht, Projekt verzögert sich. Zu viel kW: Unnötige Mietkosten, ineffizient. Dieser Ratgeber zeigt die Faustregeln für Schweizer Bauprojekte — inkl. Klimafaktor, Estrichtrocknung und Praxisbeispiele.
Letzte Aktualisierung: Frühjahr 2026 · Luis Bäni, Die Heizzentrale · Lesedauer: 10 Minuten
Unter- oder Überdimensionierung kostet Geld.
Eine falsch dimensionierte Bauheizung hat drei konkrete Konsequenzen:
- Unterdimensioniert: Estrich trocknet nicht innerhalb der geplanten 4–6 Wochen → Bauzeitverzögerung. Jede Woche Verzug = 10’000–50’000 CHF Vertragsstrafe bei grossen Projekten.
- Überdimensioniert: Sie bezahlen 50% mehr Miete als nötig. Bei 3 Monaten Einsatz: 3’000–8’000 CHF zu viel.
- Falsches System: Hotboy elektrisch bei grossem Altbau → Elektro-Anschluss reicht nicht, ständige Auslösung der Sicherung. Mobile Heizzentrale bei kleiner Wohnung → Überdimensioniert, Kondensat-Probleme.
Die Schweizer Faustregeln nach Bauzustand.
Basis für jede Auslegung: W pro m³ Raumvolumen. Nicht Fläche, sondern Volumen zählt — weil warme Luft steigt und hohe Räume mehr Energie brauchen.
| Bauzustand | Leistung W/m³ | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Neubau / Minergie | 30 W/m³ | Gut gedämmt, dichte Fenster |
| Normal / Renovation | 50 W/m³ | Schweizer Standard 1990–2015 |
| Altbau unsaniert | 80 W/m³ | Vor 1980, schlechte Dämmung |
| Rohbau offen | 80–100 W/m³ | Keine Fenster, nur Rohputz |
Beispiel: Ein Rohbau mit 300 m² Fläche und 2.8m Höhe = 840 m³. Bei Rohbau (80 W/m³) = 67’200 W = 67 kW Grundlast. Dazu kommt Klimafaktor und Estrichtrocknung.
Warum Estrichtrocknung so viel mehr Leistung braucht.
Estrich enthält zu Beginn 4–8% Restfeuchte. Das muss verdampft werden, bevor Bodenbeläge verlegt werden können. Die Physik ist hart: 1 Liter Wasser zu verdampfen = 0.7 kWh Energie.
Rechenbeispiel: 200 m² Estrich à 6 cm = 12 m³ Estrich. Bei 5% Restfeuchte = ca. 600 L Wasser. Das sind 420 kWh Zusatz-Energie über die Trocknungszeit von typischerweise 4 Wochen = +15 kWh/Tag.
Deshalb der Faktor 1.5 für Bauheizung gegenüber normaler Gebäudeheizung. Das ist kein Sicherheitsaufschlag, sondern physikalischer Mehrbedarf.
Praktisch: Bei Estrichtrocknung im Winter ist 80 W/m³ × 1.35 Klima × 1.5 Estrich = ~160 W/m³ Effektivbedarf typisch für Schweizer Baustellen.
Drei echte Schweizer Baustellen — wie dimensioniert wurde.
200 m² · 160 kW
Mehrfamilienhaus, 4 Wohnungen, 200 m² Gesamt-Fläche, Rohbau offen (keine Dämmung), -8°C Aussentemperatur, Estrichtrocknung aktiv. Rechnung: 200 × 2.6m × 80 W/m³ × 1.15 (Klima) × 1.5 (Estrich) = 71.8 kW Grundbedarf + Reserve = 160 kW Anlage.
450 m² · 350 kW
Hotel in Davos, 15 Zimmer saniert, Aussentemperatur -14°C, Gebäudeheizung (Ausfall-Überbrückung). Rechnung: 450 × 2.8m × 50 W/m³ × 1.35 (Klima) × 1.1 (Gebäude) = 93.5 kW. Aber Gebäude-Bedarf = 350 kW wegen grosser Fassadenfläche und Lüftung.
300 m² · 95 kW
Event-Zelt 300 m², 3m hoch, -5°C, häufiges Öffnen von Eingängen. Rechnung: 300 × 3 × 80 (nicht isoliert) × 1.0 × 1.3 (Event) = 93.6 kW. → 95 kW Mobile Heizzentrale perfect fit.
Schweiz ist nicht Schweiz — Klimazonen beachten.
Die SIA 384.201 definiert Norm-Aussentemperaturen für Schweizer Regionen:
- Mittelland (Zürich, Bern, Basel, Luzern): -8°C Norm · Faktor 1.15
- Voralpen (St. Gallen, Zug, Schwyz): -10°C Norm · Faktor 1.20
- Berggebiet (Davos, St. Moritz, Oberwallis): -14 bis -18°C · Faktor 1.35–1.45
- Tessin (Lugano, Locarno): -5°C Norm · Faktor 1.05
Für Bauheizung rechnen wir immer mit dem ungünstigsten erwarteten Temperaturtag im Einsatzzeitraum — nicht mit dem Durchschnitt. Sonst gibt es Engpässe bei Kälteeinbrüchen.
Wann überdimensionieren sinnvoll ist.
Überdimensionierung um 10–20% ist fast immer eine gute Idee:
- Kälteeinbrüche überraschen regelmässig — mit Reserve bleiben Sie handlungsfähig.
- Inbetriebnahme-Phase: Kalter Estrich und kalte Wände brauchen zu Beginn mehr als im Dauerbetrieb.
- Die Mehrkosten sind proportional gering (+10% Leistung = ~+8% Miete).
- Bei Unterdimensionierung: Nachbesserung vor Ort = immer teurer als vorher zu viel zu haben.
Unser Ansatz bei Die Heizzentrale: Wir empfehlen die nächsthöhere Standardgrösse aus unserer Flotte (70, 95, 160, 220, 300, 350, 450 kW). Beispiel: Berechnung ergibt 145 kW → wir liefern 160 kW. Wenn Berechnung 180 kW ergibt → 220 kW. 10–25% Reserve ist Standard.
Die 5 Dimensionierungs-Fehler, die Bauprojekte teuer machen.
Aus 5 Jahren Bauheizungs-Einsätzen in der Deutschschweiz sehen wir immer wieder die gleichen Fehler. Alle sind vermeidbar:
❌ Fehler 1: Fläche statt Volumen rechnen
Typisches Beispiel: “200 m² Industriehalle mit 8 m Höhe” wird behandelt wie “200 m² Wohnung mit 2.5 m”. Das sind 1’600 m³ vs. 500 m³ — Faktor 3.2×. Bei 50 W/m³ also 80 kW vs. 25 kW. Fläche × Höhe ist immer der erste Schritt.
❌ Fehler 2: Mittlere statt ungünstige Aussentemperatur
“Zürich hat im Winter 2°C durchschnittlich” — das stimmt, aber das bedeutet auch, dass es regelmässig -10 bis -15°C gibt. Bauheizung muss für die ungünstigste erwartete Tage dimensioniert werden, nicht für den Durchschnitt. Sonst gibt’s Engpässe bei Kälteeinbrüchen genau dann, wenn’s am wichtigsten ist.
❌ Fehler 3: Estrichtrocknung nicht berücksichtigen
Ein Rohbau mit 200 m² Estrich enthält ~600 Liter Restwasser. Das Verdampfen braucht zusätzlich 420 kWh über die Trocknungszeit. Wenn Sie ohne diesen Faktor rechnen, trocknet der Estrich nicht in 4 Wochen — sondern in 6–8 Wochen. Jede Woche Verzug = bei grossen Projekten 10’000+ CHF.
❌ Fehler 4: Lüftungs-Verluste ignorieren
Event-Zelte, Industriehallen mit Toren, Rohbauten ohne Fenster — hier entweicht ständig warme Luft. Ein Luftwechsel > 1.0 pro Stunde erhöht den Bedarf um 30–50%. In solchen Fällen rechnen Sie mit dem oberen Ende der Faustregeln oder lassen eine präzise Heizlastberechnung machen.
❌ Fehler 5: Inbetriebnahme-Phase unterschätzen
In den ersten 2–3 Tagen nach Inbetriebnahme braucht die Anlage deutlich mehr als im Dauerbetrieb — kalter Estrich, kalte Wände, niedrige Raumtemperatur. Wer zu knapp dimensioniert, verliert diese ersten Tage, weil die Anlage zwar läuft, aber nie die Zieltemperatur erreicht. Konsequenz: Trocknung startet 3 Tage später.
Faustregel vs. präzise Heizlastberechnung.
Die Faustregeln in diesem Artikel liefern eine Genauigkeit von ±15%. Für 80% der Baustellen in der Deutschschweiz reicht das völlig. Aber es gibt Fälle, wo sich eine präzise Heizlastberechnung nach SIA 384.201 lohnt:
| Situation | Methode | Begründung |
|---|---|---|
| Typische Baustelle < 300 m² | Faustregel OK | Überdimensionierung = kleiner Aufpreis |
| Projekt > 500 m² oder > 300 kW | Heizlastberechnung | Fehler werden in absoluten CHF gross |
| Minergie-/SNBS-Zertifizierung | SIA 384.201 Pflicht | Zertifizierung verlangt Nachweis |
| Spezialgebäude (Industrie, Labor) | Fachplaner nötig | Prozess-Wärme ≠ Raum-Wärme |
| Bergregion > 1’200 m ü.M. | SIA + Vor-Ort-Prüfung | Klima-Faktor schwankt stark |
Kosten einer Heizlastberechnung: Bei einem Fachplaner 800–2’000 CHF je nach Komplexität. Lohnt sich ab einem Projekt-Volumen von 50’000 CHF Bauheizungs-Miete — bei Fehlern sparen Sie oft ein Mehrfaches.
Bei Die Heizzentrale: Für Projekte über 200 kW machen wir kostenlos eine grobe SIA-konforme Auslegung. Für verbindliche Zertifizierungs-relevante Berechnungen empfehlen wir spezialisierte Fachplaner aus unserem Netzwerk.
Wie lange dauert die Estrichtrocknung wirklich?
Die Trocknungszeit hängt nicht nur von der kW-Leistung ab, sondern auch vom Estrich-Typ und der Dicke. Hier die Richtwerte für Schweizer Bauprojekte:
| Estrich-Typ | Dicke | Trocknungszeit mit Heizung | Belegreife |
|---|---|---|---|
| Zement-Estrich | 4–6 cm | 4–6 Wochen | < 2.0% CM |
| Anhydrit-Estrich | 4 cm | 3–4 Wochen | < 0.5% CM |
| Anhydrit-Estrich | 6 cm | 4–5 Wochen | < 0.5% CM |
| Schnell-Estrich | 4 cm | 7–10 Tage | je nach Produkt |
| Fliessestrich + FB-Heizung | 5 cm | 5–7 Wochen (Auf-/Belastprotokoll) | nach Protokoll |
CM-Messung (Calcium-Carbid-Methode) ist der Schweizer Standard für die Belegreife. Zement-Estrich unter 2.0% CM, Anhydrit unter 0.5% CM — erst dann dürfen Bodenbeläge verlegt werden.
Typische Fehler: Raumklima während Trocknung muss 22–24°C bei 50–60% Luftfeuchte sein. Zu kalt (unter 20°C) = langsamere Verdampfung. Zu trockene Luft (unter 40%) = Estrich reisst. Lüften in den ersten 2 Wochen maximal kurz — sonst steigt die Luftfeuchte im Raum wieder.
Praxis-Tipp: Zusatz-Luftentfeuchter (Bauentfeuchter) ab Woche 2 beschleunigen die Trocknung um 20–30%. Die Heizzentrale vermietet auch solche Geräte bei Bedarf.
Was Bauleiter vor der Bestellung klären.
Wieviel kW braucht 100 m² Bauheizung im Winter?
Faustregel: 100 m² × 2.6m Höhe × 80 W/m³ (Rohbau) × 1.15 (Mittelland -8°C) × 1.5 (Estrichtrocknung) = 35.9 kW. Plus 20% Reserve = ca. 45 kW. Passend: Hotboy 40 kW (elektrisch) oder Mobile Heizzentrale 95 kW (Öl, wenn 400V Anschluss nicht verfügbar ist).
Reicht Strom (Hotboy) für Bauheizung oder muss es Öl sein?
Elektro (Hotboy) ist ideal bis ca. 40 kW. Darüber wird Strom-Anschluss unpraktisch (400V CEE 63A = bereits Grossanschluss) und unwirtschaftlich. Ab 60 kW lohnt sich fast immer eine Öl-Heizzentrale — Betriebskosten pro kWh sind 40–50% tiefer.
Wie lange dauert Estrichtrocknung mit mobiler Heizung?
Faustregel: 2.5–4 Wochen bei korrekt dimensionierter Anlage. Anhydrit-Estrich: schneller (3 Wochen). Zement-Estrich: länger (4–6 Wochen). Entscheidend: Dauerbetrieb bei 22–24°C Raumtemperatur und 50–60% Luftfeuchte. CM-Messung am Ende verifiziert die Belegreife.
Muss ich Lüftungsverluste mitrechnen?
Bei normaler Bauheizung reicht unsere Faustregel. Bei stark lüftungs-intensiven Einsätzen (Events mit offenen Türen, Hallen mit Toren) multiplizieren Sie mit 1.3–1.5. Die Zahl "Luftwechsel pro Stunde" entscheidet — bei n > 1.0 brauchen Sie eine präzise Heizlastberechnung nach SIA 384.201.
Was ist die maximale Leistung einer mobilen Heizzentrale?
Einzelanhänger: 220 kW (unser grösster). Darüber kombinieren wir mehrere Einheiten. Praktische Obergrenze in Deutschschweiz: ca. 1'500 kW durch Kombination von 5–7 Anlagen. Für grössere Projekte arbeiten wir mit externen Partnern.
Kann ich zwei kleine Anlagen statt einer grossen nehmen?
Ja, und oft sinnvoll. Zwei 160 kW sind oft flexibler als eine 300 kW: Sie können phasenweise nur eine betreiben (bei mildem Wetter), Redundanz bei Ausfall einer Einheit, einfacherer Transport (kein Schwertransport nötig). Kostenvergleich: 2× 160 kW ≈ 1.1× 300 kW Miete.
Bereit für die Auslegung?
Rechner nutzen oder anrufen.
Entweder Sie rechnen selbst mit unserem kostenlosen kW-Rechner, oder Sie rufen an — wir machen eine präzise Auslegung für Ihr Projekt.